GB Pics

Die Psychologie des Glücksspiels: Wünsche, Motivation und mögliche Gefahren

8. Dezember 2015 Harry Gewinnspiele & Glücksspiele  

die-psychologie-des-gluecksspiels
Glücksspiel © PDPics @ pixabay.com – CC0 1.0

Das Glücksspiel ist – obwohl moderne Medien diesen Eindruck gerne erwecken – kein Phänomen, dass ausschließlich in der Gegenwart auftritt. Bereits 1866 hat der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski das Glücksspiel zum Thema eines seiner Bücher gemacht: „Der Spieler“ ist ein gesellschafts- und sozialkritisches Werk, das bis heute nicht an Aktualität verloren hat. Bücher wie „Der Spieler“ werfen die Frage auf, weshalb Menschen sich überhaupt zum Glücksspiel hingezogen fühlen. Worin liegt ihre Motivation? Was erhoffen sich Spieler? Gibt es so etwas wie den „typischen Glücksspieler“? Ab wann kann man von einer Spielsucht sprechen? All diese Fragen sollen im Folgenden näher betrachtet werden.

Das Spielen als Persönlichkeitsmerkmal

Zu Beginn steht die Frage, aus welchem Grund manche Personen eher zum Glücksspiel neigen als andere. Darüber gibt es die verschiedensten Theorien und Experten Meinungen. Als gesichert gilt jedenfalls, dass bei manchen Menschen eine individuelle Neigung zum Glücksspiel vorhanden ist. Der Begriff „Neigung“ steht in diesem Zusammenhang für ein bestimmtes Persönlichkeitsmerkmal, das von Experten als sensation seeking bezeichnet wird. Sensation seeking ist der englische Oberbegriff für alle Aktivitäten, die den Drang nach stets neuen, anregenden Ereignissen umfassen. Zu dieser Gruppe zählen nicht nur Glücksspieler, sondern auch Menschen, die Extremsportarten betreiben – beispielsweise Bungee Jumper oder Fallschirmspringer. Auch eine gewisse Sparte der Berufssportler – zum Beispiel Rennfahrer – fallen in diese Kategorie. Ob und wie stark ein Mensch die Veranlagung zum sensation seeking hat, lässt sich mit Hilfe von wissenschaftlichen Testverfahren überprüfen. Bei Personen mit starkem Hang zum sensation seeking ist die Wahrscheinlichkeit bedeutend höher, dass sie sich zu irgendeinem Zeitpunkt dem Glücksspiel zuwenden werden.

Der Gewinn als Belohnung

Die meisten Spieler spielen, um zu gewinnen. Gewinnausschüttungen werden als eine „Belohnung“ im Sinne der klassischen Konditionierung verstanden: Eine Aktion – hier: das Spielen – wird durch unmittelbar folgende, positive Konsequenzen – hier: der Gewinn – belohnt. Positive Konsequenzen werden von Menschen ganz allgemein als angenehm und erstrebenswert empfunden. Aus diesem Grund ist die Wahrscheinlichkeit enorm hoch, dass die entsprechende Aktion in Zukunft wiederholt wird – in Hoffnung auf eine weitere, positive Konsequenz. Solche sich wiederholenden Muster an Aktion und Konsequenz fallen in den Bereich des erlernten Verhaltens: Einmal angeeignet, sind Verhaltensmuster dieser Art nur schwer wieder abzulegen. Aus diesem Grund halten Spieler vehement an ihren „alten Gewohnheiten“ fest, meist auch wider besseren Wissens.

gehirn-gluecksspiel-dopamin
Gehirn © geralt @ pixabay.com – CC0 1.0

Neurologische Grundlagen: Was passiert im Gehirn?

Der bereits erwähnte Aspekt einer Gewinnausschüttung ist auch auf anderer Ebene von Bedeutung: Belohnungen werden nicht nur emotional positiv bewertet, sie haben auch einen direkten Einfluss auf körperliche Vorgänge. Um dieses Prinzip zu verstehen, muss man sich zuerst die Neurologie des Gehirns ein wenig näher ansehen.
Das menschliche Gehirn agiert auf Basis verschiedener Botenstoffe, die als Neurotransmitter bezeichnet werden. Sie sind für die Informationsübertragung zwischen den einzelnen Zellen erforderlich. Einer dieser Neurotransmitter ist Dopamin, das im Volksmund zurecht als das „Glückshormon“ bezeichnet wird. Dopamin ist – sofern in ausreichender Menge vorhanden – ein wichtiger Bestandteil des emotionalen Erlebens: Es macht Menschen glücklich, steigert die Motivation und den Antrieb. Experten gehen davon aus, dass Spielsüchtige über einen konstant zu niedrigeren Spiegel an Dopamin verfügen. Aus welchem Grund dieser Mangel vorliegt, ist zum gegebenen Zeitpunkt noch nicht restlos geklärt. Entscheidend ist jedoch, dass Süchtige durch den zu niedrigen Spiegel ständig bestrebt sind, die Konzentration von Dopamin auf ein für sie angenehmes Niveau zu heben. Durch das emotionale Glücksgefühl, das während eines Gewinnes entsteht, wird im Körper Dopamin produziert – entsprechend sind Spielsüchtige ständig darum bemüht, zu spielen und dabei einen Gewinn zu erzielen.

roulette-gluecksspiel-soziale-komponente
Roulette © stux @ pixabay.com – CC0 1.0

Das Spielen als soziale Komponente

Das klassische Glücksspiel ist zwar ein eher einsamer Zeitvertreib, aber dennoch darf die soziale Komponente nicht außer Acht gelassen werden: Gewinner brüsten sich oft, gerne und ausgiebig mit ihren Erfolgen. Das sichert ihnen für einen begrenzten Zeitraum soziale Anerkennung – selbst von Fremden, die in diesem Moment nur zufällig anwesend sind. Hierbei gilt zu beachten, dass die soziale Komponente natürlich nur dann greifen kann, wenn andere Menschen von dem Gewinn auch erfahren. Aus diesem Grund ist die Suche nach Anerkennung speziell bei direkten Interaktionen von Bedeutung, wie sie etwa im Casino beim Poker, Roulette oder Blackjack stattfinden. Beim Glücksspiel auf Online-Portalen – speziell auf solchen, bei denen man lediglich gegen die A.I. eines Computers spielt, nicht gegen andere Mitspieler – ist die soziale Anerkennung jedoch kaum von Bedeutung.

Wichtig: Nicht jeder Spieler ist automatisch süchtig!

Nicht jeder, der ab und zu in ein Casino geht, ist deshalb spielsüchtig. Dieser Punkt ist essentiell und kann gar nicht oft genug betont werden: Zwischen wirklich Süchtigen und Gelegenheitsspielern besteht ein himmelweiter Unterschied. Um tatsächlich von einer Sucht sprechen zu können, wie sie auch von Psychologen und Psychiatern klassifiziert wird, müssen ganz bestimmte Kriterien erfüllt sein. Ein entsprechender Kriterien-Katalog wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegt. Zu den „Alarmzeichen“, die auf eine potentielle Sucht hinweisen können, zählen unter anderem folgende Aspekte:

  • der psychische und / oder physische Drang, zu spielen
  • das Vernachlässigen aller anderen Aktivitäten und Hobbies
  • die Abkapselung von bisher engen Sozialkontakten
  • das ständige Kreisen der Gedanken um das Glücksspiel
  • sowie die Beschaffungskriminalität, um sich das Glücksspiel weiterhin finanzieren zu können.
spielsucht-kriterien-spieler-suechtig-gluecksspiel
Spielsucht © bykst @ pixabay.com – CC0 1.0

Die Spielsucht in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen

Was aber, wenn einem Menschen nun tatsächlich Spielsucht attestiert wurde? Welche Ursachen kann diese Erkrankung haben? Wie bei allen Süchten, können auch dem Drang zum zwanghaften Spielen verschiedene Gründe zugrunde liegen. So belegen etwa zahlreiche Studien, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Spielsucht und anderen Erkrankungen gibt. Spielsucht tritt besonders häufig zusammen mit anderen Suchterkrankungen auf, insbesondere mit Alkoholsucht und der Abhängigkeit von Nikotin. Auch das Vorhandensein bestimmter seelische Störungen gilt als Risikofaktor, um später eine Spielsucht zu entwickeln – die häufigsten Beispiele hierfür sind mangelnde Impulskontrolle, aggressives Verhalten, Depression, Manie und Delinquenz im Jugendalter.

Gibt es im Suchtbereich „den“ Spielertypus?

Untersuchungen zeigen, dass es den „typischen“ Spieler, so wie ihn sich viele gerne vorstellen, nicht (mehr) gibt. Zwar ist das Verhältnis der Geschlechter etwas unausgeglichen – laut Statistik sind mehr Männer als Frauen spielsüchtig -, aber dieser Unterschied schwand über die Jahrzehnte zusehends. Waren es Mitte des letztens Jahrhunderts fast ausschließlich Männer, die spielsüchtig gewesen sind, so haben Frauen in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt. Der Grund liegt auf der Hand: In den 1950er Jahren galt es als verpönt, wenn Frauen sich in Spielhallen herumgetrieben haben – derlei Vergnügungen waren nur den Männern gestattet. Erst mit der aufkommenden Gleichstellung zwischen Mann und Frau relativierte sich das Ungleichgewicht. Das prinzipielle Potential, eine Spielsucht zu entwickeln, ist Experten zufolge bei Männern und Frauen annähernd gleich ausgeprägt.

Ein abschließendes Fazit

Weshalb Menschen sich dem Glücksspiel zugeneigt fühlen, kann die verschiedensten Ursachen haben. Jeder Mensch ist anders und daher ist auch jeder Mensch für unterschiedliche Reize empfänglich. Was dem einen ein Motiv ist, kann den nächsten schon wieder völlig kalt lassen. Aus diesem Grund ist es auch unmöglich, an seinen Mitmenschen eine „Ferndiagnosen“ erstellen zu wollen: Kein Wissenschaftler kann durch bloßes Hinsehen sagen, weshalb eine Person sich dem Glücksspiel zugeneigt fühlt. Um die tatsächlichen Motive herauszufinden, bedarf es amnestischer Gespräche, psychologischer Testverfahren und eventuell auch psychiatrischer und / oder ärztlicher Untersuchungen. Zudem sollte unbedingt beachtet werden, dass nicht jeder Spieler automatisch Sucht gefährdet ist. Um tatsächlich eine Suchterkrankung zu entwickeln, müssen zwingend bestimmte Kriterien vorhanden sein. Nur dann darf wirklich von einer „Spielsucht“ im Sinne der Weltgesundheitsorganisation gesprochen werden.


Auf Facebook teilen
Teilen

0 Glücksspiel,



Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>


footer