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Die Welt der Comics – Donald Duck, Mickey Mouse und Co.

10. Juni 2015 Harry Allgemein  

Die Zeiten, in denen Comics noch als anrüchig galten, gehören der Vergangenheit an. In den 1950er fielen Comics unter den Jugendschutz und standen vielfach auf dem Index. Bildungsbeflissene Bürger mahnten sogar, die „verruchten“ Heftchen könnten zur Förderung der Jugendkriminalität beitragen. Auf jeden Fall würden die Kinder beim Konsum von Comics das Lesen verlernen. Gelegentlich bekommen Comic-Freunde noch heute Argumente dieser Art um die Ohren geschlagen.

 

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Donald Duck im Rampenlicht
   © Skitterphoto @ pixabay.com – CC0 1.0

Charles Dickens Figur als Vorbild

An der Beliebtheit von Comics konnte auch die harsche Kritik nichts ändern. Seit Mitte der 1980er Jahre sind Donald Duck und seine Freunde zum Forschungsobjekt aufgestiegen. Selbst Literaturwissenschaftler, die Comics in früheren Zeiten nur mit spitzen Fingern anfassten, nehmen die „Bildergeschichten mit Sprechblasen“ ernst. Inbegriff des Comics sind für die meisten Figuren wie Micky Maus, Donald und Dagobert Duck. Der schottische Geizhals wurde 1944 von Carl Banks erfunden. Er hieß damals Scrooge McDuck und bewohnte die legendäre Duckburgh. Erst im Jahr 1951 verpasste ihm Erika Fuchs, die viele Jahre die deutsche Übersetzerin der Micky-Maus-Hefte war, den Namen Dagobert Duck. Anfangs war er weniger der Geizhals, sondern mehr der Misanthrop, der auch seine liebenswerten Seiten hatte. Erst allmählich entstand die Figur, die am liebsten im Geld badet. Carl Bark orientierte sich bei der Entwicklung von Dagobert Duck an Charles Dickens und dessen Protagonisten Ebenezer Scrooge aus der Erzählung „A Christmas Carol.“

 

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Typische Mangafiguren
© WokinghamLibraries @ pixabay.com – CC0 1.0

Eine literarisch-künstlerische Erzählform

Der Comic muss längst nicht mehr um Anerkennung ringen. Dennoch fällt es schwer, eine eindeutige Definition für dieses Genre zu finden. Was ein Comic ist wird zu verschiedenen Zeiten anders beantwortet. Jede Generation entwickelt ein anderes Selbstverständnis. Gleichzeitig ist der Comic eine Form, die sich quasi stets neu erfindet. Zu den Klassikern aus Entenhausen haben sich zum Beispiel die Mangas gesellt. Die japanischen Bildergeschichten verzaubern eine große Lesergemeinde unter Jugendlichen. Für sie sind die Mangas nicht nur innovativ, sondern auch ein Ausdruck der Abgrenzung gegenüber den Eltern. Allgemein ist unter Experten Konsens, dass ein Comic eine literarische-künstlerische Erzählform darstellt. Wobei der erzählerische Teil überwiegend über das Bild transportiert wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Text nur eine Nebenrolle spielt. Seine Verwendung erhöht die Komplexität der Erzählstruktur, da Bild und Text in einer Beziehung zueinander stehen. Das Bild allein würde ebenso wenig funktionieren wie die Worte nicht für sich stehen könnten. Erst das Zusammenspiel von Wörtern und Zeichnungen ergibt die Geschichte, die für den Leser nachvollziehbar wird.

 

Das Bild ist dem Text übergeordnet

Auch wenn das Bild dem Text übergeordnet ist, bleibt es ein Teil des Ganzen und ist niemals Selbstzweck. Deshalb dürfen die Zeichnungen nicht mit Illustrationen gleichgesetzt werden. Im Comic ist das Bild ein wesentlicher Träger der Handlung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass an der Entstehung eines Comics mehrere Personen beteiligt sind. Neben einem Zeichner ist oft eine Person für den Entwurf der Szenarien verantwortlich. Viele Arbeitsgänge werden zwar per Computer erledigt, trotzdem sind Spezialisten wie Tuschzeichner und Koloristen beteiligt.
 

Verschiedene Gattungen

Comic gleich komisch. Wer die Übersetzung wörtlich nimmt, erwartet eine „komische“ Geschichte und mag dann manchmal von der Lektüre enttäuscht sein. Aber Comics sind keine gezeichneten Witze. Der Comic benutzt, wie bei der geschriebenen Literatur auch, unterschiedliche Genres. Die Palette reicht von Abenteuer und Humor bis zu Erotik oder der Form der Reportage. Alles ist erlaubt. Die Geschichten können in einem kurzen Strip abgebildet sein bis hin zu einem Roman. Serien sind ebenso möglich wie abgeschlossene Erzählungen in der Bildsprache. Die Bilder müssen nicht unbedingt gezeichnet sein. Collagen und Fotos sind gleichberechtigte künstlerische Ausdrucksformen. Sowohl der Zeichen- als auch der Erzählstil können variieren. Die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten beweisen, dass der Comic gegenüber der geschriebenen Literatur keineswegs unterlegen ist. Des Weiteren zeigt der internationale Erfolg vieler Comics, dass es sich dabei um eine global verständliche Ausdrucksform handelt. Comics sind weltweit sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen eine beliebte Lektüre. Deutsche Leser der Bildergeschichten können ihre Comics bei Ehapha bestellen und haben dort eine große Auswahl an Comic-Klassikern und aktuellen Geschichten.
 

Comic und Leseförderung

Leseförderung ist ein Thema, das im Zusammenhang mit dem Comic gerne kontrovers diskutiert wird. Für konservative Pädagogen zählt es nicht zum „normalen“ Lesen, wenn Kinder und Jugendlichen sich mit einem Comic die Zeit vertreiben. Allerdings teilt der Comic dieses Schicksal auch mit Zeitungen und Zeitschriften, die in den Augen der strengen Bewahrer der sogenannten Lesekultur ebenfalls nicht zählen. Dabei wird ignoriert, dass die Bildgeschichten gerade für Leseanfänger absolut geeignet sind. Der Comic stellt in dem Fall für viele Kinder die Verbindung zu dem ihnen vertrauten Bilderbuch her. Auch die Länge der Wörter, Sätze und Absätze und nicht zuletzt die sprachliche Komplexität sind Kriterien, die für den Comic sprechen. Eine besondere Rolle kommt der Funktion der Bilder zu. Sie sind für kindliche Leser wichtige Informationsträger. Schwierige Wörter werden leichter verständlich. Überraschende Wendungen können durch die Bilder schneller erfasst werden. Comics erzählen Geschichten. Und trotz der zahlreichen Versuche der Bevormundung tun sie das sehr erfolgreich. Dabei wird es wohl auch in Zukunft bleiben.


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